Artikel in AZ, Nürnberg, vom 21.04.2006
Der Tod klopfte bereits an
Fitneß-Guru Dr. Ulrich Strunz (62) : Nach fürchterlichem Unfall hielt ihn nur sein eiserner Wille am Leben
Roth Ein Marathonlauf oder eine Trekking-Tour im Hochgebirge waren für Dr. Ulrich Strunz 862) eher ein Kinderspiel. Der Arzt, Bestseller-Autor und Extremsportler aus Roth, war stolz auf seinen durchtrainierten Körper und eseine schier grenzenlose Fitneß. Doch vor einem halben Jahr änderte ein fürchterlicher Unfall sein Leben. Der AZ erzählte er jetzt, wie knapp er dem Tod entrann.
„Die ständigen Schmerzen sind das Schlimmste“, sagt Dr. Ulrich Strunz mit einem gequälten Lächeln. Mit seiner Hand, an der die Operationsnarben immer noch zu sehen sind, greift er sich an den Nacken, wo das Zentrum seines Leidens sitzt. Die drei Wirbel, die er sich beim Sturz mit seinem Rennrad in eine Felsenschlucht gebrochen hat, werden von Schrauben und Titanplatten zusammengehalten.
„Ich hoffe, daß sie halten“, meint der Mann, der in der Fitneß-Szene als Guru gilt. An die Alternative, daß es nicht so sein könnte, verschwendet er nur einen kurzen Augenblick: „Das könnte meinen Tod bedeuten, oder daß ich querschnittsgelähmt bin.“
Bereits sechsmal mußte Dr. Ulrich Strunz auf dem Operationstisch Platz nehmen, um der dauernden Invalidität zu entgehen. „Eigentlich ist es mehr ein Wunder, daß ich überhaupt noch lebe“, analysiert er seinen Zustand, um dann gleich von den kleinen Fortschritten zu sprechen, die er sich mit eisernem Willen erkämpfen mußte: „Mittlerweile kann ich schon wieder zehn Minuten mit dem Fahrrad fahren oder ein paar Minuten Lauftraining auf dem Heimtrainer machen“. Das hört sich nach wenig an, ist aber viel, wenn er an die ersten Diagnosen der Ärzte nach seinem Unfall auf Mallorca denkt: „Sie gingen wohl davon aus, daß ich das Ganze nicht überleben werde.“

Bei Tempo 50 hatte sich in einer Kurve der Reifen von der Felge seines Fahrrads gelöst. Strunz wurde über die Leitplanke katapultiert und stürzte acht Meter tief in eine Schlucht. Sein Knie und ein Handgelenk waren zerschmettert, Rippen serienweise gebrochen, und die Wirbel im Halsbereich. Hinzu kam ein enormer Blutverlust, später eine Embolie und eine Lungenentzündung.
Nach der ersten Operation konnte er kaum noch reden, weil auch seine Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen waren. Nur eines hatte der „Fitneß-Papst“ nicht verloren: seinen eisernen Willen. Strunz: „Ich wollte mich einfach nicht damit abfinden, im Krankenbett dahinzusiechen und auf mein Ende zu warten.“
Trotz der höllischen Schmerzen, die er bis heute nicht losgeworden ist, machte er bereits kurz nach den Operationen die ersten zaghaften Gehversuche auf den Gängen der Klinik. „Die Ärzte konnten es nicht glauben, als sie das sahen“, erinnerte er sich an deren erstaunte Blicke. Für ihn war es pures Überlebenstraining: „ES war ein riesiges Loch, in das ich von einem Tag auf den anderen fiel. Mein ganzes Leben wurde bis dahin von Laufen und Bewegung bestimmt.“
Derzeit pendelt er zwischen Wohnung und Praxis hin und her und versucht sich langsam wieder in Form zu bringen. Viel mehr geht nicht, aber er ist froh, daß er wenigstens seinen Beruf wieder einigermaßen ausüben kann. Und er registriert jeden noch so kleinen Fortschritt, der ihm Lebensmut verleiht. „In einem Jahr will ich wieder am Triathlon auf Hawaii teilnehmen“, verkündet er – und man glaubt`s ihm sogar.
Helmut Reister
