Forum: Ernährung - Inulin
Irgendwo in den hunderten Strunz-Büchern (von denen ich bestimmt 90 % gelesen/gehört habe) war eine Info zu Inulin: daß es ein löslicher gesunder Ballaststoff ist mit positiver Wirkung auf die Darmflora
So weit, so gut! Ich baue Inulin in meine Shakes, Desserts etc. ein; immer so einige Gramm, knapp unter der "Pups"-Grenze ...
Aktuell höre ich das Buch von Ingo Froböse (den ich auch schätze) "9 Regeln für einen optimalen Stoffwechsel". In diesem Hörbuch warnt er vor zu viel Fructose und weist darauf hin, daß die Industrie Fructose unter allerlei Pseudonymen in Fertignahrung versteckt ... unter anderem nennt er neben Glucose-Fructose-Sirup im selben Atemzug Inulin.
?????
Das würde ja bedeuten, daß Inulin eher schädlich ist. Kann ich mir aber nicht vorstellen. Bin aber jetzt doch etwas verunsichert.
Hat Froböse (der "nur" Sportmediziner ist) hier die chem. Struktur des Inulins (Fructosebausteine mit n ca. 100) falsch interpretiert? Oder weiß er mehr als Strunz?
liebe Grüße, Patricia
Hallo Patricia,
ich esse grundsätzlich keine aus Lebensmitteln isolierten Stoffe oder gar synthetisch hergestellte, sondern esse die Lebensmittel so, wie sie uns die Natur schenkt.
Inulin bekomme ich aus der gesunden Topinambur, die nach dem einmaligen Legen zweier Knollen im Garten vor 15 Jahren uns den ganzen Winter über versorgt. Auch sie essen wir nur in kleiner Menge.
Die Frage finde ich sehr gut.
Aus Wikipedia:
Inulin ist ein Gemisch von Polysacchariden aus Fructosebausteinen mit einer Kettenlänge bis 100 Monomeren und einem endständigen Glucoserest. Es zählt zu den Fructanen.
Inulin gehört zu den präbiotischen Nahrungszusatzstoffen.
Inulin kann von Bifidobakterien als Energiequelle verstoffwechselt werden. Damit kann Inulinaufnahme zur selektiven Anreicherung von Bifidobakterien im menschlichen Darm genutzt werden.[8] Die übermäßige Einnahme kann bei Menschen mit einer Darmflora, die eine Ernährung mit einfachen Kohlenhydraten gewöhnt ist, jedoch zu Blähungen und Durchfall führen.[9]
Inulin kann in der Therapie der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) als Stärkeersatz dienen, da es den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst. Inulin wird im Dünndarm nicht resorbiert, da dem Menschen das abbauende Enzym (Inulinase) fehlt. Stattdessen wird es im Dickdarm durch Bakterien (Bifidusbakterien, Bakteroides-Stämme und Eubacteriacae) zu kurzkettigen Fettsäuren fermentativ abgebaut. Durch die erhöhte Säureproduktion sinkt der pH-Wert im Kolon ab[10]. Die dabei gebildeten Gase können bei empfindlichen Menschen (v. a. Reizdarmsyndrom) zu Flatulenzen führen – der einzigen bekannten Nebenwirkung beim Verzehr inulinhaltiger Pflanzenteile,[11][12] weshalb Inulin auch zu den FODMAPs gerechnet werden sollte.[13] Die u. a. entstehenden Propionate können außerdem als natürlicher Appetitzügler wirken.
Wenn ich es also richtig verstehe, besteht Inulin zwar aus Fructose, aber an die kommt der Mensch mangels zugehörigem Enzym gar nicht ran. Inulin wird im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut.
Das ist nicht der Verdauungsweg von Fructose. Fructose wird über den Dünndarm aufgenommen. Bzw. bei zu hoher Fructoseeinnahme wird Fructose über die Pfortader an die Leber weiter gegeben.
Zuviel Fructose kann zu einer nichtalkoholischen Fettleber führen.
Das kann bei Inulin nicht passieren.
@Patricia D., ist ja spannend, daß Du keine aus Lebensmitteln isolierten Stoffe oder gar synthetisch hergestellte ißt, sondern Dein Inulin über Topinambur aufnimmst. Beantwortet nur leider nicht meine Frage.
@SK, genau das beantwortet meine Frage. Vielen herzlichen Dank! Es hätte mich auch sehr gewundert, wenn Strunz einen Stoff empfiehlt, der mit Glukose-Fruktose-Sirup in einem Atemzug genannt werden sollte. Das Wissen um die Inulinase hat mir gefehlt ... fehlt dem armen Froböse wohl auch.
Nochmals ganz lieben Dank, Patricia